Meditation

Minimalismus

Minimalsimus, um dieses Thema geht es bei Sandras Blogparade auf Ihrem Blog ganzichselbst.

Das ist für mich eine Steilvorlage, da bin ich natürlich dabei.
Ich mache mir sehr oft genau darum Gedanken, wie viel es wirklich braucht.

Früher, da war ich auch hinter Materiellen Dingen hinterher, war neidisch auf die Menschen um mich herum, die mehr besaßen als ich.
Wollte das größere Auto, den Pool im Garten, immer das Neueste, Größte, Beste.
Das änderte sich dann aber so um das Jahr 2004, als ich meine spirituelle Seite entdeckte.

Ich erkannte, dass ich diese Dinge nur wollte, um den Anderen zu gefallen oder zu imponieren. Aber das war nicht ich. Schon immer liebte ich die Natur, lange Spaziergänge und angeregte Gespräche mit Freunden. Die Einsicht setzte einen Prozess der Wandlung in mir entgang, der sich langsam entwickelte und mit den Veränderungen in 2011 und 2012 seinen Höhepunkt erreichte. Und doch ist er nicht beendet, ich entwickele mich ständig weiter, entdecke und probiere Neues, verändere hier was und probiere dort etwas, was ich zuvor noch nie getan habe..

Alles Leid entsteht durch Unzufriedenheit und Gier.
Buddha

Ich lernte also loslassen, nicht mehr an Dingen festzuhalten.
Und nichts mehr zu erwarten. Aus der Unzufriedenheit und der Gier entstehen alle unsere Konflikte. Wenn wir uns in Bescheidenheit üben und Dankbarkeit für das Empfinden, was wir schon haben, vergeht Neid und Gier und wir können uns an dem Besitz der anderen mit freuen.

“ Wir sind unbewaffnet und wollen euch geben, worum ihr bittet, wenn ihr friedlich zu uns kommt und nicht mit Schwertern und Büchsen,
als ob ihr gegen einen Feind in den Krieg ziehen würdet.“
Der Indianerhäuptling Powhatan Anfang des 17. Jhdt.

Darf ich denn trotzdem im Luxus leben oder heisst das jetzt, dass ich alles weg geben muss?

Natürlich darf ich das, ich fahre auch ein Auto, das mir Freude bereitet, habe unser Haus und leiste mir auch mal etwas Schönes.

Aber brauche ich wirklich mehr als fünf Hosen und 10 Hemden, wenn ich doch immer nur diese trage und der Rest im Schrank hängen bleibt? Und wie sieht es mit den anderen angehäuften Dingen aus, die sich so in unserem Haus befinden? Hier lässt sich viel verändern, entrümpeln. Was noch gut ist, kann vielleicht über ebay in Geld verwandelt oder verschenkt werden. Am Anfang fällt das jedesmal wieder schwer, doch dann gibt das ein gutes Gefühl.

Und bei Neuanschaffungen kann durch das Minimalistische Denken dann auf Qualität statt Quantität gesetzt werden.

Mit dem anhäufen der Güter wollen wir uns wappnen für die Zukunft. Wollen uns absichern. Dafür werden dann vielfach Kredite aufgenommen, die uns dann den Schlaf rauben. Wir kümmern uns mehr um unsere Zukunft, als im Hier und Jetzt zu leben.

Während meiner Pilgerzeit habe ich es deutlich erkannt, das ich mit dem, was ich bei mir tragen kann, sehr glücklich bin und das es den ganzen Besitz nicht braucht. Würde ich von einem Augenblick auf den Anderen alles verlieren, ich würde doch meinen Weg weiter gehen.

Begierde macht uns berechenbar und angreifbar. Sie macht uns steuerbar. Wir lassen uns dadurch lenken, unser Gegenüber, sei es der Chef, der „gute Freund“ oder wer auch immer hat ein Druckmittel, mit dem er uns lenken kann.

Das vierte Shaolin-Prinzip lehrt uns, dass genau diese Gier uns verletzbar, berechenbar und erpressbar macht. Wer seine Begierde nicht unter Kontrolle hat, gibt den anderen Menschen Macht über sich und die eigenen Gefühle und wird dadurch leichter angreifbar.

Wie ich schon sagte, ist es wohl die Übung der Dankbarkeit, die uns von der Gier befreit. Durch Sie erfahren wir Freude und Glück, sind in dem Moment, und damit unangreifbar.

Im Buch „Shaolin – Du musst nicht kämpfen, um zu siegen!: Mit der Kraft des Denkens zu Ruhe, Klarheit und innerer Stärke“ von Bernhard Moestl, gibt es dazu eine sehr schöne Geschichte.

Im Shaolin-Kloster erzählt man sich die Geschichte eines Generals, der mit seinen Soldaten zu Pferd unterwegs war. Eines Tages traf er auf einen Zen-Mönch, der gerade in Meditation versunken war. Der General war empört und rief ihm zu:

“He, du da! Mönch! Geh mir aus dem Weg.”

Der Mönch saß regungslos da und schwieg.

“Bist du denn taub? Hast du nicht gehört? Ich habe dir gesagt, du sollst mir aus dem Weg gehen!
”Ich glaube, du weißt nicht, wen du vor dir hast? Vor dir ist ein Mensch, der dich jederzeit töten kann, ohne mit der Wimper zu zucken.”

Da schaute der Mönch auf und antwortete:

”Ich glaube, du weißt nicht, wen du vor dir hast! Vor dir sitzt ein Mensch, der jederzeit sterben kann, ohne mit der Wimper zu zucken!”

Nun sag mir, wer übt mehr Macht aus, der General mit seiner Gier oder der Mönch, der erwartungslos da sitzt und meditiert. Ich bin auf deine Kommentare gespannt.

Meine Buchempfehlungen zu diesem Beitrag sind das oben erwähnte Buch Shaolin und das Buch Die Kunst der Bescheidenheit
von Michael Korth. Aus diesen Büchern habe ich auch die Zitate entnommen.

 

 

9 Gedanken zu „Minimalismus“

  1. Lieber Frank

    Die Dankbarkeit ist für mich ein sehr wichtiges universelles Gesetz, obwohl es so noch nicht wirklich aufgelistet ist 😉

    Wenn man zu viel Macht ausspielen will, kommt man oft in die Ohnmacht. Die Balance will sich einstellen – so ist es mit allem im Leben.

    Vielen Dank für Deinen Beitrag und den Tipp für das Buch 🙂
    Herzlichst
    Patricia Zurfluh

    1. Liebe Patricia,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Dankbarkeit ist für mich einer der Schlüssel zum Glück.
      Sehr schön ist dazu auch das Buch „Ich pflanze ein Lächeln“ von Thich Nath Hanh“
      Liebe Grüße
      Frank

  2. Lieber Frank,

    ja ich denke es ist schon wichtig, dass wir unser Herz nicht so sehr an das Materielle binden. Das habe ich im Laufe des Lebens jedenfalls so erlebt. Inzwischen kann ich auch mit ganz wenig leben. Und es ist nicht mehr so schlimm, wenn ich etwas nicht mehr habe. Aber ich denke, das ist ein Entwicklungsprozess und ich bin froh, dass ich auf diesem Wege ein klein wenig schon vorwärts gekommen bin, denn es macht das Leben bedeutend einfacher.
    Alles Liebe, Barbara

    1. Liebe Barbara,
      Ich gebe dir absolut Recht, die Einsicht, dass wir nicht soviel anhäufen müssen, braucht seine Zeit. Und dann ist es nochmal schwierig, dieses auch umzustezen.
      Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich doch noch die nächste Hose oder das nächste Hemd kaufe oder oder….
      Aber ich bin mir auch sehr wohl bewusst, dass ich es nicht so sehr vermissen würde, wenn man es mir wegnehmen würde, wie früher befürchtet.
      Wir sind ja nur begrenzt hier auf der Erde, und wie heisst es doch so schön „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“
      Liebe Grüße
      Frank

  3. Hallo, lieber Frank,

    dein Artikel macht mich sehr nachdenklich. Und ich gebe dir Recht, dass es nicht die Menge, die wir anhäufen ist, die uns glücklich macht. Es sind viel mehr die kleinen Dinge, ein Lächeln, ein Kompliment oder eine liebevolle Umarmung, die das tun.

    Allerdings frage ich mich, was mit den Menschen ist, die zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben haben. Da kann ich natürlich gut verstehen, dass diese all die anderen auch mal beneiden, obwohl Neid nie gut ist.
    Wenn man jemandem sagt, er solle dankbar sein, obwohl er nicht weiß, wie er seine Kinder satt bekommt, ist das sicherlich sehr schwierig, obwohl es immer etwas gibt, wofür man dankbar sein kann (z.B. für seine Gesundheit).

    Ich persönlich denke, dass es immer jemanden gibt, dem es schlechter geht. Auch gönne ich jedem sein Hab und Gut und kann mich auch am Luxus anderer Menschen erfreuen. Außerdem bin ich dankbar für alles was ich habe und sehe es ebenfalls als überaus wichtig an, dass man sich das immer bewusst macht.

    Liebe Grüße
    Gabriele

    1. Liebe Gabriele,
      herzlichen Dank für deine Anregung. Ja, was ist mit den ärmsten der Armen. Da ist es sicher besonders schwer. Aber auch dort gibt es immer wieder Menschen, die es aus der Misere heraus geschafft haben.
      Ein Beispiel dazu ist das Orchester aus Müll, http://blog.finde-dich-selbst.net/das-orchester-aus-mull/ über das ich im Mai 2013 berichtet habe.
      Ein anderes Beispiel ist Muhammed Ali, der in ärmlichsten Verhältnissen aufwuchs.
      Die einen schaffen es mit fremder Hilfe, andere ganz allein. Ali fing zum Beispiel mit dem Boxen an, weil sein Fahrrad gestohlen wurde.
      Das könnte auch mal ein Thema für einen einzelnen Artikel sein.
      Danke für deinen Kommentar
      Frank

  4. Hallo Frank,
    ein sehr schöner Artikel. Auch ich habe in den letzten Jahren mich in Minimalismus geübt und es geht mir damit deutlich besser. Ich bin seitdem zufriedener und dankbarer.
    Das Buch „Shaolin – Du muss nicht kämpfen, um zu siegen“ liegt noch neben mir, während ich diesen Kommentar schreibe. Ich habe es diese Tage gelesen und kann es nur empfehlen.
    Liebe Grüße
    Birgit

    1. Hallo, Birgit,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich habe wohl immer noch viel zu viel Materielles angehäuft, auf mehr als die Hälft könnte ich wohl verzichten. Es wird wohl mal wieder Zeit für eine Aufräumaktion.
      Danke
      Frank

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