Land ohne Armee

Land ohne Armee – Costa Rica.

Auf der Welt gibt es nichts, was weicher und dünner ist als Wasser. Doch um Hartes und Starres zu bezwingen, kommt nichts diesem gleich. – daß das Schwache das Starke besiegt, das Harte dem Weichen unterliegt, jeder weiß es, doch keiner handelt danach.
Laotse

In der Schule oder in Gesprächen wird oft behauptet, dass jedes Land eine Armee hat. Wenn es die eigene abschaffen würde, hätte es in Kürze eine fremde Armee. Doch Costa Rica zeigt uns, dass diese Aussage eine Lüge ist. Wer will ein Land mit Waffen angreifen, dass selber keine hat. Man würde sich in der Welt ja lächerlich machen.

Und ferner würde diese Aussage dann ja auch für Familien gelten müssen. Eine Familie, die unbewaffnet ist, wird ja auch nicht vom bewaffneten Nachbarn überfallen. Wir hätten ständig Kleinkriege zu führen und müssten uns ständig umdrehen und vergewissern, dass uns niemand etwas böses will. Aber so ist die Welt nicht. Die meisten Menschen sind friedliebend und so gilt es auch für die Länder?

Costa Rica hat seine Armee abgeschafft und das ersparte Geld in die Bildung seines Landes gesteckt hat. Und das bereits per Verfassung seit 1949. 1983 wurde dann die dauerhafte, aktive und unbewaffnete Neutralität des Landes bekannt gegeben.

Für den Schutz und die Überwachung der Gesetze gibt es dafür eine Polizeitruppe, die Guardia Civil de Costa Rica mit einer Stärke bis zu 8400 Mann.  Diese wird überwiegend auch zum Kampf gegen den Drogenhandel eingesetzt.

Entsprechend niedrig ist die Analphabetenquote, gerade mal 4,2 %, und es gibt eine sechsjährige Schulpflicht.

Dadurch hat es eine sehr breite Mittelschicht aufbauen können, die Arbeitslosenquote betrug 2010 nur 7,3 %.

Der Friede ist kein Naturprodukt; er wächst aus menschlichem Handeln.
Gustav Heinemann

Leider gibt es aber auch in Costa Rica nicht so schöne Dinge

zu berichten, wie der geplante Bau eines Staudamms, der ohne die Einbeziehung der indigenen Bevölkerung bereits 2006 beschlossen wurde, und für den bereits ein riesiges Gebiet Urwaldes in Nutzfläche umgewandelt wurde. Ein ganzes Tal, das Terraba Tal, würde nach dem Bau in den Fluten verschwinden. Hier gibt es meines Wissens nach seit 2011 aufgrund der Proteste einen Baustopp, die Planungen dazu sind aber wohl noch nicht abgeschlossen.

Doch darum ging es mir im Moment nicht, sondern vielmehr um die Frage, inwieweit die Abschaffung der Armee auch in unseren Gefilden möglich wäre. Selbst, wenn die Länder der Welt nur einen Teil Ihrer Rüstungsausgaben nehmen würden, um damit den Hunger zu beseitigen, wäre schon viel getan.

Dazu mal eine Zahl zum nachdenken:

30 Mrd. $ ist die Summe, die nach FAO-Angaben jährlich aufgewendet werden müsste, um den Hunger auf der Welt endgültig zu beseitigen. Damit würden die 800 Millionen Menschen nicht mehr hungern müssen. Ein Betrag von ca. 40 $ pro Person und Jahr würde uns die Ernährung der Welt kosten. Ein relativ kleiner Betrag, wie ich finde.

Hunger-weltweit

Dem stehen Ausgaben in Höhe von 1200 Mrd. $ für Rüstung weltweit entgegen. Allen voran die USA mit 610 Mrd. $, also 1,67 Mrd. $ täglich.  Und selbst wir Deutschen bringen mehr Geld für Rüstung auf, als die Beseitigung des Hungers kosten würde.

Militaerausgaben

Was ist es, was wir Menschen im Grunde wollen?

Was wollen wir Menschen eigentlich? Im Grunde ist es doch ein friedliches Miteinander. Und braucht es dafür eine Armee? Oder könnten wir alle so wie es Costa Rica schon macht, ohne Armee in Frieden leben? Und wo können wir da anfangen?

Gibt es in deinen Augen eine Möglichkeit, dass alle Staaten gemeinsam daran arbeiten und etwas beisteuern, um die Summe zusammenzutragen? Und wie sieht dann unsere Welt aus, wenn niemand mehr hungern braucht?

Ich wünsche mir eine solche Welt, in der jeder satt wird, keine Not leiden muss und wir alle friedlich nebeneinander leben.  Den Hunger zu beseitigen wäre zugegeben nur ein Schritt auf dem Weg dorthin,

Die menschliche Gier sorgt für die großen Probleme unserer Zeit.

Ein weiteres Problem, für das wir eine Lösung bräuchten wäre dann die Beseitigung der menschlichen Gier.
Wie das gelingen kann, das kann uns vielleicht die Natur zeigen. In der Welt der Tiere und Pflanzen gibt es keine Gier, jeder nimmt nur dass, was er zum überleben braucht.

Können wir die Gier abstellen, dann wäre wohl auch der Schritt zur Abrüstung leichter, denn ohne diese gäbe es auch keine Notwendigkeit für Übergriffe. Wer etwas übrig hat, könnte es einfach abgeben. Das würde dann auch zu unserem Glück beitragen.

Ich halte es auf jeden Fall für sinnvoll, dran zu bleiben.
Wie sind eure Meinungen zu dem Thema?

Quelle des Titelbildes: pixabay.de

3 Gedanken zu „Land ohne Armee“

  1. Lieber Frank,
    jetzt habe ich was dazugelernt. Ich finde es echt beeindruckend, was dadurch alles möglich ist. Und ist es nicht das, was wir alle eigentlich wollen? Diese Machtspielchen von Aufrüstung und wer-hat-das-Sagen wird doch nur von einer Handvoll gespielt!
    Ähnlich ist die Diskussion hier in Deutschland, ob homosexuelle Paare Kinder haben „dürfen“. Es wird immer gesagt, ein Kind sei das Wichtigste. Aber real betrachtet wird für Familien mit Kindern oder Alleinerziehenden viel zu wenig getan. Sooo wichtig sind dem Staat die Kinder dann doch nicht.
    Was ich damit sagen will, es werden immer die falschen Informationen verbreitet und für das Gelingen oder Scheitern einer Sache verantwortlich gemacht. Wir müssen alle lernen, richtig hinzusehen und uns unser Urteil selbst zu bilden. Dann ginge es auch friedlicher auf der Welt zu.
    Danke für deine wertvollen Informationen!
    LG
    Sybille

  2. Lieber Frank,
    da hast du mir mal wieder was Neues beigebracht. Ich wusste weder dass Costa Rica keine Armee hat noch die gigantischen Zahlen der Verteidigungskosten.

    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass es sinnvoller wäre den Hunger zu stillen und die Gier zu stoppen. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass sich die testosterongesteuerten Machtgeilen nicht so leicht aus dem Weg räumen lassen und von ihrer sinnlosen Gier abhalten lassen.
    Allerdings lasse ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

    Herzliche Grüße aus Ungarn
    Gabi

  3. Lieber Frank,

    da schließe ich mich ganz der Meinung von Gabi an. Leider lässt sich das wohl momentan nicht umsetzen, da wir eine Riege von wirklich machtgeilen Menschen haben, die alles steuern auch wenn es nach außen hin anders dargestellt wird. Und die breite Masse der Bevölkerung wird einfach eingelullt, damit sie sich ihrer Macht (der Menge) nur nicht bewusst werden. Wie einfach wäre es, diese Machtbesessenen zu verjagen.
    Aber wer weiß, vielleicht irgendwann….
    Herzliche Grüße
    Barbara

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