Der Fuchs und die Trauben

Heute möchte ich euch mit einer Geschichte zum Nachdenken anregen, die dem Dichter Äsop zugeschrieben wird.

Es geht dabei um einen Fuchs, der zu gerne einige Trauben eines Rebstocks naschen möchte. Aber lest selbst.

Der Fuchs und die Trauben

Eine Maus und ein Spatz saßen an einem Herbstabend unter einem Weinstock und unterhielten sich.

Auf einmal zirpte der Spatz seiner Freundin der Maus zu: „Versteck dich, der Fuchs kommt!“ Dann flog der Spatz rasch hinauf in das Laub des Baumes.

Der Fuchs schlich sich an den Weinstock heran. Seine Blicke hingen sehnsüchtig an den dicken, blauen und schon überreifen Trauben.

Vorsichtig spähte er nach allen Seiten. Dann stützte er sich mit seinen Vorderpfoten gegen den Stamm, reckte kräftig seinen Körper empor und wollte mit seinem Maul ein paar Trauben erwischen.

Aber sie hingen zu hoch.

Etwas verärgert versuchte er sein Glück noch einmal. Diesmal machte er einen gewaltigen Satz, doch er schnappte wieder nur ins Leere.

Noch ein drittes Mal bemühte er sich und sprang mit aller Kraft nach oben. Voller Gier streckte er sich so sehr nach den üppigen Trauben, dass er auf seinen Rücken fiel.

Aber nicht ein Blatt hatte sich bewegt.

Der Spatz, der schweigend zugesehen hatte, konnte sich nicht länger beherrschen und zwitscherte belustigt: „Herr Fuchs, Ihr wollt eben zu hoch hinaus!“

Die Maus schaute aus ihrem Versteck und piepste vorlaut: „Gib dir keine Mühe, die Trauben bekommst du ja doch nie.“

Und geschwind wie ein Pfeil rannte sie in ihr Loch zurück.

Der Fuchs biss die Zähne zusammen, rümpfte die Nase und meinte hochmütig: „Die Trauben sind mir noch nicht reif genug. Und saure Früchte mag ich eben nicht.“

Mit stolzem und erhobenem Haupt ging er in den Wald zurück.

Warst Du schon mal in einer ähnlichen Situation, in der du etwas nicht erhalten hast, und um die Blamage zu vertuschen, einfach eine andere Behauptung aufgestellt hast, um die Geschichte für dich im Nachhinein richtig dar stehen zu lassen?

Für mich ist diese Geschichte eine schöne Metapher auf die Tatsachen, wie wir uns manchmal im nachhinein selber belügen.

Es gibt sogar einen wissenschaftlichen Begriff dafür. Dieser nennt sich kognitive Dissonanz. Dabei handelt es sich um einen Spannungszustand zwischen Ergebnis einer Handlung und dem eigenen Verhalten, eben der Dissonanz.

Die Dissonanz entsteht zum Beispiel dann, wenn wir nach einer Entscheidung feststellen, dass diese falsch war, wir die Trauben nicht erreichen konnten. Um diese Spannung (Dissonanz) wieder aufzulösen, passen wir unser Verhalten bzw. unsere Einstellung an (die Trauben sind sauer).

Diese Anpassung ist oft so intensiv, dass wir im Nachhinein absolut davon überzeugt sind. Und dann lassen wir sie oft gar nicht mehr los.

Kommen wir dann in eine ähnliche Situation, verhalten wir uns entsprechend. Das Verhalten zu ändern kommt uns dann oftmals gar nicht in den Sinn.

Vielleicht hast Du ja so ein Verhalten, dass du gerne ablegen möchtest? Dann melde dich doch mal zu meinem Newsletter an und stöbere in meinem Blog. Da kannst du dir dann Anregungen holen oder du nimmst gleich Kontakt zu mir auf.

Titelbild: entstanden aus einer Montage zweier Bilder von Pixabay.de

 

 

 

6 Gedanken zu „Der Fuchs und die Trauben“

    1. Liebe Gabi,
      stimmt, all zu oft geben wir auf, weil der Gedanke aufkommt, „Das wird ja doch nichts, die anderen hatten recht.“
      Erfolgreich sein, bedeutet auch und gerade, durchhalten. Wenn wir aufgeben, werden wir nie erfahren, wie dicht wir schon am Erfolg waren.
      Danke für deinen Kommentar.
      Liebe Grüße
      Frank

  1. Lieber Frank,

    heute erst komme ich dazu deinen Artikel zu lesen, und ich muss mal wieder sagen, alles hat so seinen Sinn.

    Solch einen menschlichen Fuchs habe ich gerade im richtigen Leben erlebt. Die Parabel, die gerade erklärte wie es ablaufen kann, ist sowas von treffend, DANKE

    mit herzlichen Grüßen
    Barbara

  2. Hallo Frank,
    ja, sowas kenn ich aus eigenem Erleben. Doch oft lag es daran, dass ich einfach zu früh aufgegeben hab und mir dann eben im nachhinein eingeredet habe, dass mein Wunschziel ohnehin nicht zu mir gepasst hätte.
    Sehr guter Vergleich mit der Geschichte vom Fuchs!
    Danke und ein schönes Wochenende
    liebe Grüße – Christine

  3. Lieber Frank,
    ein sehr schöner Vergleich- doch auch ich bin der Meinung, dass heute viel zu schnell aufgegeben wird. Warum nicht einfach mal den Blickwinkel ändern, einen anderen Weg suchen um an das hochgesteckte Ziel gelangen.
    Liebe Grüße

    Birgit

    1. Lieber Frank,
      liebe Birgit,

      ich mag diese Fabel auch sehr gerne und bin ganz eurer Meinung,
      ich denke der Hinweis mit der Änderung des Blickwinkels und das Suchen nach einem anderen Weg sind hier sehr wichtig.
      Da sind schließlich zwei Vögel… Einer hätte sich bestimmt dazu überreden lassen ein paar Trauben runterzubringen ;D

      Vielen Dank, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast!

      Liebe Grüße,
      Anna

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